Leute fragen mich oft, warum ich so lange in einer Beziehung blieb, die offensichtlich missbräuchlich war. Die Wahrheit ist, dass ich mir nicht bewusst war, dass ich emotionalem Missbrauch ausgesetzt war. Wenn man sich bindet und davon überzeugt ist, dass man nicht liebenswert ist, neigt man dazu zu denken, dass man alles verdient, was einem so widerfährt. Irgendwann fühlt sich diese Form von Gewalt normal an und wird zum Alltag. Warum sollte ich respektvoll oder auf freundliche Weise behandelt werden, wenn ich es doch eindeutig nicht verdient habe? Ich war es doch offensichtlich nicht wert, geliebt zu werden. Ich schätze, meine Erfahrung kann mit einem
Impostor-Syndrom verglichen werden: Ich hatte jemanden dazu gebracht, mich zu lieben, und hatte Angst, er würde herausfinden, das ich seiner Liebe gar nicht würdig war. Aus diesem Grund sah ich eine Trennung als eine Wahl zwischen ewigem Alleinsein oder geistigem Unwohlsein. „Du wirst nie einen anderen finden, der dich liebt“, waren die letzten Worte, die mein Ex mir höhnisch hinterherschrie, als ich die Tür für immer zufallen ließ. „Du wirst allein enden.“