Aber genau da fangen die Probleme an. Wie viele Baby-Boomer sind auch meine Eltern gegenüber Therapien ziemlich skeptisch. Obwohl es für Menschen in meinem Alter (ich bin in meinen späten Zwanzigern) relativ verbreitet ist,
eine Therapie zu machen – Millennials werden schon seit Langem als die „
Therapie-Generation“ bezeichnet –, betrachten das „normale“ Menschen in ihren frühen Sechzigern (wie meine Eltern) als peinlich oder Zeichen von Schwäche. Eine
Studie von 2019 der Open University mit 14.726 teilnehmenden britischen Pärchen in Beziehungstherapie ergab, dass das „Alter eine kleinen, aber entscheidenden Einfluss auf den [Behandlungserfolg der] Probleme hatte. Jüngere Patient:innen identifizierten insgesamt mehr Beziehungsprobleme als ältere.“ Dazu kommt, dass nur
1,5 Prozent der Über-60-Jährigen in Deutschland in psychotherapeutischer Behandlung sind – obwohl rund 24 bis 40 Prozent von ihnen unter psychischen Beschwerden leiden,
die sich mit einer spezifischen Therapie auch in diesem Alter noch lindern ließen. Viele von ihnen glauben aber, sie könnten oder sollten das schon „mit sich selbst ausmachen“, und holen sich daher keine Hilfe.